Tutorial: Perücken tragen leicht gemacht

21. Januar 2015


Perücken verbinden die meisten Leute wohl eher mit Karneval oder Cosplay, doch auch für unsere Alltagslooks greifen wir öfter mal auf Perücken zurück, um meine extravaganten roten Haare in etwas sanftere Töne abzuändern, ohne meine Frisur dauerhaft zu verändern. Das Wichtigste dabei ist natürlich, dass die Perücke gut sitzt und natürlich aussieht. Meine wichtigsten Tipps zum Perücken tragen verrate ich euch im heutigen Beitrag.


Um die eigenen Haare verschwinden zu lassen, muss man sie clever wegstecken. Nicht jeder kann seine Haare einfach direkt unter der Perücke stecken und ein einfacher Dutt macht hässliche Beulen unter den Kunsthaaren. Im Theater habe ich gelernt, dass für längere Performances und wenn starker Halt benötigt wird, ganz ganz viele kleine Strähnen eingedreht und in kleinen Kringeln am Kopf festgesteckt werden und darauf dann eine Perückenkappe gesetzt wird. Doch niemand hat Lust, sich eine halbe Stunde lang für ein paar Stunden Perückenspaß die Haare einzudrehen, vor allem, wenn es auch anders ganz leicht und sicher funktioniert. 
Bei kürzeren Haaren, wie meinen, kann man die Seiten einfach nach hinten eindrehen und dort feststecken. Je nach Bedarf kann man das in einer dicken Strähne oder mehreren dünneren so machen, bis alle Haare am Hinterkopf gesammelt sind. Wichtig ist, dass die Haarnadeln bequem, aber fest sitzen und nicht vom Kopf abstehen. Kürzere, fliegende Härchen können mit Gel oder Haarspray fixiert werden, damit sie später nicht aus der Perücke rausgucken.
Bei längeren Haaren wird das ganze schon etwas problematischer. Viele der handelsüblichen Perücken haben den meisten Platz am Hinterkopf, also ist es auch hier wieder wichtig, die meisten Haare dort zu sammeln, ohne einen dicken Knoten zu erzeugen, der sich nachher unter der Perücke abdrückt. Auch hier funktioniert die Variante mit den vielen kleinen Kringeln, aber die dauert natürlich bei langen Haaren auch entsprechend noch länger. Meine Lieblingslösung sind Flechtzöpfe. Die Haare liegen dadurch eng am Kopf an und dienen auch noch als Befestigung für Haarnadeln, die man nachher für einen besseren Halt durch die Perücke steckt. Ob man mehrere kleine Zöpfe oder bloß einen dicken flechtet, bleibt dabei wieder dem eigenen Empfinden überlassen, auch wenn ich Frenchbraids (also am Kopf entlang) empfehle, da dort auch kürzere Härchen eingefangen werden. Eine schnelle, einfache Lösung, die sehr gut hilft, sind zwei Zöpfe, die dann um den Kopf herumgelegt und festgesteckt werden. Dadurch entsteht eine Art Flechtkrone, deren Schwerpunkt am Hinterkopf liegt, mit flachen Seiten und wenig Haar am Oberkopf.

Für jegliche Art von Wegstecken gilt, dass es noch sauberer (und einfacher) wird, wenn man eine Perückenkappe aufsetzt. Zusätzlich wird die Perücke dadurch auch vor Schweiß geschützt, sodass man sie nicht so häufig waschen muss. Natürlich hat nicht jeder eine Perückenkappe zuhause rumliegen, aber glücklicherweise kann man etwas sehr ähnliches sehr schnell und günstig selbst machen.
Mit einer einfachen Strumpfhose, deren Beine man abschneidet hat man ein bequemes, atmungsaktives Äquivalent zur professionellen Variante. Besonders bei dünneren (günstigeren) Perücken empfiehlt es sich eine hautfarbende oder der Haarfarbe der Perücke entsprechende Strumpfhose zu nehmen, da man je nach Bestickung der Perücke hindurch sehen könnte. Eine der Haarfarbe entsprechende Perücke füllt diese Löcher und lässt die Perücke dadurch voller (und hochwertiger) aussehen. Wenn allerdings keine zur Hand ist oder man nicht viele verschiedene Kappen machen möchte, ist eine hautfarbende Strumpfhose empfehlenswert, da sie die eigene Haarfarbe abdeckt und so durch die Löcher lediglich Kopfhaut suggeriert.
Die Perückenkappe wird dann genau am Haaransatz aufgesetzt, sodass möglichst alle Haare darin verschwinden. Ich setze sie immer zunächst auf der Stirn und komplett über die Ohren auf und schiebe sie dann vorsichtig zurück, bis sie die gewünschte Position erreicht hat. So sind auch kleine Fliegehaare mit unter der Haube und nur wenig Haaransatz bleibt vorne vor den Ohren zu sehen. Wenn ihr ein sehr akurates Cosplay wünscht, oder die Perücke im Alltag tragen wollt, empfiehlt es sich, diese herausstehenden Haare mit Lidschatten oder Farbhaarspray an die Perückenfarbe anzugleichen. Den überschüssigen Stoff der improvisierten Perückenkappe könnt ihr in sich selbst eindrehen (ähnlich wie bei einer Brötchentüte) und am unteren Hinterkopf positionieren.
Wenn ihr alles richtig gemacht habt, seht ihr vermutlich ziemlich seltsam aus, seid aber für eine lange, komfortable Tragezeit vorbereitet. Jetzt wäre auch der ideale Zeitpunkt, um zumindest die Basics des Makeups aufzutragen. Denn wenn die Perücke erstmal gut sitzt, wollt ihr sie nicht mehr verschieben, nur um das Makeup randlos zu verblenden. Lidschatten, Lippenstift und sogar Augenbrauen könnt ihr natürlich auch später auftragen, aber die Reihenfolge ist euch überlassen, ich empfehle die Grundierung lediglich aus meiner pesönlichen Erfahrung. Ein weiterer Tipp: achtet auf eure Augenbrauen! Sie sollten der Haarfarbe unbedingt ähnlich sein, oder zumindest dunkler, weil die Perücke dann am natürlichsten aussieht.

Zum Aufsetzen der Perücke ohne Fremdhilfe, sollte man am Vorderkopf beginnen. Die Perücke hat normalerweise mindestens ein Etikett in der hinteren Mitte, manchmal auch kleine Markierungen über oder vor den Ohren. Hochwertige Bühnen- oder Tagesperücken haben zusätzlich im Stirnbereich eine andere Unterstruktur, weil die Haare dort anders eingeflochten sind. Setzt den entsprechenden Teil der Perücke mittig auf der Stirn auf und haltet ihn mit der einen Hand fest, während ihr mit der anderen den hinteren Teil der Perücke soweit rauszieht wie möglich. Versucht dann soviel Haar wie möglich mit einem Mal unter die Perücke zu kriegen, sodass ihr nur noch die Partien an den Seiten unterschieben müsst. Viele Perücken können hinten verstellt werden, um je nach Kopfform enger oder weiter zu sitzen. Probiert am besten mit den Häkchen herum, um die perfekte Passform für euch zu finden. Wenn alles gut sitzt, könnt ihr die Perücke mit dünnen Haarnadeln feststecken. Meiner Erfahrung nach sind Klammern vor und hinterm Ohr, sowie rechts und links vom Mittelscheitel am effektivsten. Ihr werdet sehr schnell merken, welche Platzierungen euch ein sicheres Tragegefühl geben.

Eine gut sitzende Perücke könnt ihr fast wie euer eigenes Haar stylen, doch ihr solltet euch vorher informieren, ob die Perücke aus Echt- oder Kunsthaar ist. Kunsthaar ist sehr hitzeemfpindlich und sollte nicht mit Glätteisen oder Lockenstäben behandelt werden. Wenn ihr die Perücke drastisch umstylen wollt, empfiehlt es sich, sie zu waschen und auf Wicklern, in Zöpfen oder glatthängend lufttrocknen zu lassen. Auch andere größere Stylingexperimente solltet ihr am besten vor dem Aufsetzen vornehmen, z.B. auf einem Styroporkopf oder ähnlichem Kopfersatz (ich habe mir einen aus einem Pappmaché-umhüllten Luftballon gebastelt).
Zum Lagern der Perücken braucht ihr allerdings keine Kurisositätensammlung aus gruseligen Styroporköpfen in eurem Zimmer aufbauen. Außer für extravagant gestylte Perücken gilt, dass auch die Versandlager die Perücken in einfachen Plastiktüten lagern. Wenn ihr die Originalverpackung habt, nutzt sie für längere Lagerung oder für den Transport zur Convention oder Fotoshoot-Location und holt die Perücke rechtzeitig vor dem Tragen heraus, damit die Frisur sich normalisieren kann. Grundsätzlich gilt es, möglichst wenig zu kämmen (und nur mit groben Kämmen oder Spezialbürsten wie dem TangleTeezer) und wenig Stylingprodukte zu verwenden. Kleine Fliegehaare können gut mit Wasser gebändigt werden und auch Locken oder Wellen werden so schnell zurück in Form gebracht. Wenn die Perücke doch mal voller Haarspray ist, oder die Spitzen nicht mehr schön aussehen, kann man alle Perücken auch leicht waschen. Mildes Haarshampoo und eine leichte Spülung machen das Zweithaar schnell wieder schön. Achtet darauf, die Haare nicht zu sehr durcheinander zu bringen, da ihr sonst beim späteren Durchkämmen unnötig viele Haare verliert.

Ob Cosplay, Karneval, Fotoshooting oder Alltag, eine Perücke verändert sofort das gesamte Auftreten einer Person und kann einem Look den perfekten Abschluss geben. Ohne meine Perücken hätte ich wohl wenig Auswahl in meinen Cosplays, Karnevalskostümen oder Rollen für diesen Blog, denn auch wenn ich meine knallroten Haare liebe, so sind sie doch nicht gerade ein flexibler Style. Auch beim Feiern habe ich schon das eine oder andere Mal eine Perücke getragen, sei es um mein Elektro-Outfit mit einem elektrisch-blauen Bob interessanter zu machen oder um bei der Swing-Party klassische schwarze Wellen zu tragen. Eine gut sitzende Perücke kann einem sofort eine neue Aura verleihen und bringt so Abwechslung in den Alltagslook.


Habt ihr auch Erfahrungen mit Perücken gemacht? Welche Tipps könnt ihr noch hinzufügen? Oder habt ihr noch weitere Fragen? Oder hinterlasst uns einfach einen Kommentar mit euren besten Perückengeschichten!

- Y

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9 Kommentare

  1. Vielen Dank nochmal für diesen tollen Beitrag! :D Dank dir hat meine Perrücke am Wochenende die Partynacht perfekt überstanden und sogar trotz Tanzeinlagen bombe gesessen! Fabulös!
    Eine Frage habe ich allerdings noch: wo kaufst du dir deine Perrücken und was sollte man beim Kauf in Punkto Qualität und Preis beachten?

    LG
    Peanut

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    1. Hallo!
      Schön, dass Dir der Beitrag gefällt und es freut mich, dass die Tipps hilfreich waren. Meine Perücken habe ich alle über ganz unterschiedliche Quellen gekauft. Meine erste Perücke habe ich im Karnevalsladen im Sale geholt, zwei habe ich übers Internet bestellt und eine bei einer Theaterfundus-Versteigerung und noch eine habe ich im Keller in einer alten Verkleidungskiste gefunden und wieder aufgepeppelt.
      Was ich wichtig finde, ist dass die Haare natürlich aussehen. Und das gilt sogar bei unnatürlichen Haarfarben. Ich habe zum Beispiel eine blaue Perücke, die trotzdem nicht nach Plastik aussieht, weil mehrere verschiedene Blautöne wie Strähnen darin verarbeitet sind. Außerdem finde ich es wichtig, dass der Scheitel sauber verarbeitet ist und dass die Perücke genug Haare hat, dass man nicht hindurch sehen kann. Auch zu glänzende Perücken wirken oft unnatürlich, genauso wie zu stark gestylte Perücken.
      Am wichtigsten ist allerdings, dass man seine Perücken richtig aufbewahrt und pflegt, denn sonst sehen sie oft schon nach wenigen Verwendungen filzig und billig aus.

      Liebste Grüße und viel Spaß beim Perücken tragen
      Yavanna

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  2. Huhu

    vielen dank für deine tipps ...die werden mir sicher helfen. Mein eigenhaar ist momentan in einer blöden übergangsphase von kurz nach lang, deshalb hatte ich die idee solange einfach immer wieder perücken zu tragen. Bin gespannt wie es wird. Dank deiner genauen Beschreibung wird es leichter;-) liebe grüße bekki

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    1. Hallo Bekki!
      Es freut mich dass meine Tipps dir weiter helfen konnten. Ich liebe die Vielseitigkeit die ich mit einer Perücke erhalte, ohne meine Haare ständig zu ändern. Wenn du in eine realistisch aussehende Perücke investierst, werden sich sicherlich einige Leute wundern wie schnell deine Haare wachsen ;-)
      LG Yavanna

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  3. Ich habe dank der coolen neuen Sofort Ansatz Sprays für echte Haare heute eine Kunsthaar Perücke vorsichtig noch perfektioniert. Der Ansatz sieht jetzt rund um das Kopfhautimitat noch natürlicher aus zumal ich so auch noch meine eigenen dunkleren Haare zum Pony hochstecken kann. Man muss aber wirklich sehr vorsichtig sein. Erst schaut es etwas stumpf aus aber ich hab gleich mit Taschentuch etwas nachgetupft. könnte man also notfalls mal mit einzelnen Strähnen testen. Diese würde ich aber, wie der Friseur das auch macht, auf ne Folie legen damit der Rest nicht fleckig wird.

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    1. Das klingt klasse! Super, dass du deine Perücke damit optimieren konntest :)

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  4. Da sind ein paar tolle Tipps dabei. Vor allem die richtige Anwendung von einem Haarnetz ist so entscheidend, damit man den eigenen Haaransatz nachher nicht sieht und die Perücke nicht verrutscht.

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    1. Danke, Jörg! Es freut uns, dass du dir ein paar tolle Tipps abholen konntest!

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  5. Hallo zusammen danke für die tollen Tipps. Vielleicht werde ich es mit den Perücken doch noch einmal wagen.

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